Haus der Senioren
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Was bleibt der Nachwelt aus Gundelfingen?

Was verbirgt sich alles in der Spitze der Spitalkirche? Gundelfingens Bürgermeisterin Miriam Gruß, Historiker Georg Wörishofer und Spitalleiter Markus Moll (von links) werfen einen Blick hinein.
(Was verbirgt sich alles in der Spitze der Spitalkirche? Gundelfingens Bürgermeisterin Miriam Gruß, Historiker Georg Wörishofer und Spitalleiter Markus Moll (von links) werfen einen Blick hinein.)


Zukunft Die Kugel auf der Spitze der Spitalkirche dient als Zeitkapsel. Im Rahmen der Sanierung wurde sie nun geöffnet – und wieder neu befüllt

Donauzeitung am 14.10.2017

Von Andreas Schopf

Gundelfingen Irgendwann einmal werden die Gundelfinger auf den 12. Oktober 2017 zurückschauen. Dann wird von diesem Tag und dieser Zeit folgendes übrig bleiben: Die Anwesenheitsliste der Bewohner des Hauses der Senioren, ein Bericht über die Instandsetzung der Spitalkirche, der Flyer für das geplante Festprogramm zum 600-jährigen Bestehen des Spitals, der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, Euromünzen und eine aktuelle Ausgabe der Donau-Zeitung. Das und einiges mehr werden zukünftige Generationen finden, wenn sie die Kugel auf der Spitalkirche öffnen werden. Genau dies ist am vergangenen Donnerstag passiert. „Ein historischer Moment“, sagte Georg Wörishofer, historischer Berater der Stadt. Da die Spitalkirche derzeit saniert wird, nutzte man in Gundelfingen die Gelegenheit und öffnete die Zeitkapsel, die in der Kupferkugel auf der Spitze versteckt ist. Zuletzt wurde die Kugel im Jahr 1983 befüllt. Ein Brauch, den es nicht nur in der Gärtnerstadt gibt. Die Spannung war groß, was Gundelfinger von damals der Nachwelt hinterlassen wollten. „Ich bin sehr gespannt, was jetzt herauskommt“, sagte Bürgermeisterin Miriam Gruß kurz vor dem Öffnen der Zeitkapsel. Spitalleiter Markus Moll sei „ein bisschen aufgeregt“ gewesen. „So etwas macht man nicht alltäglich.“

Dann war es soweit: Ein Spengler öffnete die Kupferkugel aus dem Jahr 1722 sowie die darin befindliche Box. Zum Vorschein kam ein in braunes Papier eingewickeltes Päckchen. Sofort machte sich Historiker Wörishofer daran, den Inhalt zu analysieren. Unter anderem holte er jahrhundertealte Zinntafeln hervor. Auf einer aus dem Jahr 1873 standen etwa die damaligen Preise von Getreide und Fleisch. „Für ein Pfund Schweinefleisch musste ein Geselle einen Tag lang arbeiten“, fasste er zusammen – damals war die Wertigkeit von Lebensmitteln eine andere als heute. Und auch die übermittelten Dokumente von 1983 zeigen, was zu jener Zeit wie viel gekostet hat: Der Liter Milch 1,20 Mark, der Liter Benzin 1,55 Mark. Ebenfalls in der Zeitkapsel versteckt waren unter anderem ein Stadtbuch von 1977, eine Liste der Mitglieder des Stadtrates, Sonderbriefmarken und eine Zeitung von damals. In den kommenden Tagen wird Wörishofer den Inhalt genauer unter die Lupe nehmen. Dann wird die Kugel neu befüllt. Dazu hat das Spital ein Päckchen erstellt. „Öffnung der Zeitkapsel für unsere Nachfolger“, steht darauf, darunter ein edles, rotes Siegel der Stadt. Zusammen mit den Euromünzen und der Donau-Zeitung soll das Päckchen kommenden Generationen einen Einblick in das Gundelfingen des Jahres 2017 geben. „Bei der Vorbereitung habe ich kalten Schweiß gespürt“, sagte Spitalleiter Moll, dem bewusst wurde: „Das wird den eigenen Wirkungskreis überdauern.“

Damit der neue Inhalt der Zeitkapsel auch wirklich Jahre und Jahrzehnte der Witterung standhält, werden die Dokumente erst noch eingeschweißt. Dann wird die Kugel mitsamt den Zeitzeugendokumenten verschlossen, geht zum Vergolder und soll anschließend wieder die Spitze der Spitalkirche zieren. Zumindest solange, bis erneut Bauarbeiten am Gotteshaus anstehen. Wann das sein wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen. „Wir hoffen, dass das erst in 30 bis 50 Jahren wieder nötig ist“, sagte Gundelfingens Geschäftsstellenleiter Heinz Gerhards. Dann, Mitte bis Ende des Jahrhunderts, wird sich die Kugel von Neuem öffnen – und an den 12. Oktober 2017 zurückerinnern.

„Öffnung der Zeitkapsel für unsere Nachfolger“ steht auf dem Umschlag, auch eine Donau Zeitung vom 12. Oktober steckt darin.
(„Öffnung der Zeitkapsel für unsere Nachfolger“ steht auf dem Umschlag, auch eine Donau Zeitung vom 12. Oktober steckt darin.)
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