Haus der Senioren
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Eine Bürgerinitiative gegen die Schwestern

In der Gundelfinger Spitalstiftung sprach Georg Wörishofer (rechts) über die Barmherzigen Schwestern. Mit im Bild: Markus Moll, Leiter der Einrichtung.
(In der Gundelfinger Spitalstiftung sprach Georg Wörishofer (rechts) über die Barmherzigen Schwestern. Mit im Bild: Markus Moll, Leiter der Einrichtung.)


Spitalstiftung Vor über 100 Jahren wurden in Gundelfingen
Unterschriften gesammelt

Donauzeitung am 21.11.2017

von Harald Paul

Gundelfingen Georg Wörishofer, erfahrener historischer Berater, referierte im Haus der Senioren in Gundelfingen über das Wirken der Barmherzigen Schwestern im Spital und Krankenhaus 1871 bis 1991. Ein Zusammentragen solch uralter Informationen in diesem Umfang ist sehr selten und nicht gerade einfach. In der Vergangenheit hat sich niemand versucht, sich an dieses Thema heranzuwagen. Umso interessanter war die eineinhalbstündige Veranstaltung im Saal des Spitals. „Spital bedeutet Gastfreundschaft“, so Wörishofer, „und das leben wir hier in unserer Einrichtung.“ Es sei wichtig und von großer geschichtlicher Bedeutung, so seltene Informationen über dieses Thema zu erfahren, sagte Markus Moll, Leiter des Spitals. Wer waren diese Barmherzigen Schwestern, wieso ist das Thema fast schon sagenumwoben? „Am Anfang der Recherche gab es schon die ein oder andere Gruselgeschichte“, so Wörishofer: „In München begann die Suche nach Unterlagen, in den sogenannten Häuserakten, diese waren aber nicht sehr umfangreich.“ Mit dem Einzug der Barmherzigen Schwestern am 1. August 1871 begann eine neue Ära in der Spitalgeschichte, als Schwester Emmerana Maier von München nach Gundelfingen gesandt wurde.

Zu Beginn gab es sogar eine Bürgerinitiative gegen die Schwester. Die Menschen hatten damals Angst, dass Obdachlose benachteiligt werden könnten. 143 Menschen waren damals gegen die Arbeit der Schwestern im Spital. Doch ihr Antrag wurde vom damaligen Gemeinderat abgelehnt. Mit einem Vertrag und der Bedingung, dass die Schwestern für die Einrichtung regional einkaufen. Auch die Schwestern hatten Bedingungen: das Führen der Hauswirtschaft, ein eigenes Zimmer, die Befugnis zum Ein- und Ausstellen des Personals, freie Verpflegung, 50 Gulden pro Schwester für den Orden und eine Statue von ihrem Ordenspatron, Vinzenz von Paul. Diese ist sogar noch in der Spitalkirche. So wurde dann im August 1871 der Einzug von vier Ordensschwestern würdevoll zelebriert. Wörishofer legte einige Originaldokumente vor. Eine Aufstellung der geplanten Kosten pro Patient: 80 Pfennig für Vollkost, 40 Pfennig für Diätkost. Ein Bier 18 Pfennig. Heizung und Beleuchtung waren ebenfalls bei 18 Pfennig angesetzt. Ab 1904 kamen zwei weitere Schwestern hinzu. Der Höchststand betrug neun Ordensfrauen, die unverzichtbaren Verdienst für das Spital, das Krankenhaus und die Stadt Gundelfingen brachten. So schilderte Wörishofer sehr detailliert über die Epochen bis ins Jahr 1991. Gespannt warteten die etwa 25 Zuhörer auf ein Bild der Schwestern. „So einfach war das nicht, ein Bild aufzutreiben, weil die Klosterfrauen damals strengstes Verbot hatten, sich ablichten zu lassen“, erklärte Wörishofer. Genauso scharf untersagt war Blickkontakt zum anderen Geschlecht. Zuhörerin Susanne Gruber war fasziniert von diesem Vortrag „man spürt die Leidenschaft in den historischen Erzählungen von Georg Wörishofer“.

Auch für den Besucher Roman Leo war die Veranstaltung sehr interessant: „Eine der Schwestern war die Hebamme bei meiner Geburt.“ Wörishofer erinnerte daran, dass die Spitalstiftung 2018 600 Jahre alt wird. „Dazu wird es einen Kirchenführer der Spitalkirche geben.“ Moll bedankte sich für die präzise Recherche und für diese Fülle von wichtigen Informationen. Die nächste Informationsveranstaltung anlässlich des großen Jubiläums wird im März 2018 stattfinden.

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